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Stellen Sie sich vor, Ihre Mitarbeiter kommen morgens ins Büro — und entscheiden selbst, wo und wie sie heute arbeiten. Nicht weil Regeln fehlen, sondern weil der Raum genau das ermöglicht: konzentriertes Arbeiten in der stillen Zone, kreative Kollaboration am Stehtisch, vertrauliche Gespräche im abgeschirmten Pod. Das ist kein Zukunftsszenario, sondern das Grundprinzip des Activity Based Working — und es verändert, wie wir über Führung, Produktivität und Unternehmenskultur denken.
Was hinter diesem Konzept steckt, ist tiefgreifender als eine neue Büromöbelstrategie. Es geht um eine Grundsatzfrage: Wie viel Vertrauen gibt eine Führungskraft ihrem Team — und wie unterstützt der physische Raum dieses Vertrauen? Unternehmen, die Activity Based Working konsequent umsetzen, arbeiten dabei häufig mit spezialisierten Marken wie Steelcase Hannover zusammen, die Raum und Forschung zusammendenken. Dieser Artikel erklärt, warum Activity Based Working mehr ist als ein Raumkonzept — und was Führungskräfte daraus lernen können.
Was Activity Based Working wirklich bedeutet
Activity Based Working — kurz ABW — ist ein Arbeitsplatzkonzept, das den festen, persönlich zugewiesenen Arbeitsplatz aufgibt und durch eine Vielfalt funktionaler Zonen ersetzt. Jede Zone ist auf eine bestimmte Art von Tätigkeit ausgerichtet: konzentriertes Einzelarbeiten, informeller Austausch, formelle Besprechungen, kreative Zusammenarbeit, vertrauliche Telefonate. Mitarbeitende wählen täglich oder situativ, welche Zone ihrer aktuellen Aufgabe am besten entspricht.
Das klingt einfach — und ist es in der Umsetzung nicht. Denn Activity Based Working ist kein Möbelkonzept. Es ist ein Kulturprogramm. Wer nur die Möbel tauscht, aber Führung, Kommunikation und Vertrauen nicht mitdenkt, wird scheitern — oder zumindest weit unter dem Potenzial des Konzepts bleiben. Das ist der Grund, warum ABW so viele Anhänger und gleichzeitig so viele enttäuschte Praktiker hat.
Die psychologische Dimension: Autonomie als Motivationsfaktor
Die Verhaltenspsychologie liefert eine klare Begründung dafür, warum Activity Based Working — richtig umgesetzt — die Motivation steigert. Self-Determination Theory (SDT) nach Deci und Ryan identifiziert drei universelle psychologische Grundbedürfnisse: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. ABW adressiert alle drei — wenn es gut gemacht ist.
Autonomie: Mitarbeitende entscheiden selbst, wo sie arbeiten. Das ist keine Kleinigkeit — es ist ein starkes Signal der Führung: Ich vertraue dir, deine Aufgaben selbst zu organisieren. Kompetenz: Wer den richtigen Raum für die richtige Aufgabe wählt, arbeitet effektiver — und erlebt sich als kompetent. Soziale Eingebundenheit: Durchdachte ABW-Konzepte schaffen informelle Begegnungszonen, die spontanen Austausch fördern, der in starren Bürostrukturen verloren geht.
Was ABW nicht ist: Die häufigsten Missverständnisse
Activity Based Working wird oft mit Desk Sharing verwechselt — dem schlichten Abbau fester Arbeitsplätze zur Kosteneinsparung. Das ist das Gegenteil von ABW. Desk Sharing ohne Konzept führt zu Orientierungslosigkeit, sinkendem Zugehörigkeitsgefühl und in der Folge zu schlechterer Leistung. ABW hingegen schafft mehr, nicht weniger — mehr Zonen, mehr Qualität, mehr Gestaltungsaufwand pro Fläche.
Ein weiteres Missverständnis: ABW eignet sich für alle Tätigkeiten. Das stimmt nicht. Für Rollen, die intensive, ungestörte Konzentration über viele Stunden erfordern, kann ABW als stressig empfunden werden, wenn die stillen Zonen nicht ausreichend vorhanden oder akustisch nicht gut genug sind. Die Zonierung muss den tatsächlichen Tätigkeitsprofilen der Mitarbeitenden entsprechen — nicht einem Idealbild.
Führung und Raum: Eine unterschätzte Beziehung
Führungskräfte denken selten über Möbel nach. Das ist verständlich — und strategisch ein Fehler. Denn der physische Raum kommuniziert Werte, bevor ein Wort gesprochen wird. Wer das Büro betritt, liest sofort: Wie transparent ist diese Organisation? Wie hierarchisch? Wie vertrauensvoll? Räume sind keine neutrale Kulisse — sie sind Kulturausdruck.
Was das Bürolayout über Führungskultur verrät
Ein Büro mit Einzelbüros für jede Führungsebene kommuniziert: Hierarchie ist wichtig, Status wird durch Raum ausgedrückt. Ein offenes Großraumbüro ohne Rückzugsmöglichkeiten kommuniziert: Transparenz um jeden Preis, individuelle Bedürfnisse sind zweitrangig. Ein gut konzipiertes ABW-Büro kommuniziert: Wir vertrauen euch, wir haben an verschiedene Bedürfnisse gedacht, wir nehmen Arbeit ernst.
Diese Botschaften werden nicht nur von den eigenen Mitarbeitenden empfangen, sondern auch von Bewerbern, Kunden und Partnern, die das Büro besuchen. In einer Zeit, in der Employer Branding und Unternehmenskultur handfeste Wettbewerbsfaktoren sind, ist Bürogestaltung auch eine Kommunikationsentscheidung.
Führungskräfte als Vorbilder im ABW-Konzept
Einer der häufigsten Fehler bei der ABW-Einführung: Führungskräfte behalten ihre Einzelbüros. Das sendet ein verheerendes Signal: Das Konzept gilt für euch — aber nicht für uns. Activity Based Working funktioniert nur, wenn Führungskräfte selbst sichtbar Teil des Systems sind — wenn sie in offenen Zonen arbeiten, Rückzugsräume nutzen wie alle anderen, und ihre Präsenz nicht über Raumgröße definieren.
Das erfordert eine Portion Mut. Führung ohne Bürotür fühlt sich für viele Manager zunächst exponiert an. Doch genau diese Exposition — die Sichtbarkeit, die Zugänglichkeit, das Mitarbeiten im gemeinsamen Raum — stärkt Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Führung durch Präsenz ist wirkungsvoller als Führung durch Statussymbolik.
Evidence-Based Design: Was Forschung über Räume und Leistung sagt
Activity Based Working ist kein Bauchgefühl. Es basiert auf einem wachsenden Corpus an Forschung zur Beziehung zwischen physischer Umgebung und kognitiver Leistung. Wer diese Forschung kennt, führt Räume — und damit Teams — besser.
Akustik, Licht, Temperatur: Die unterschätzten Leistungsfaktoren
Kognitionsforschung zeigt konsistent: Umgebungsvariablen wie Lärm, Licht und Temperatur beeinflussen die Arbeitsleistung messbar. Unkontrollierter Hintergrundlärm — der häufigste Kritikpunkt an offenen Büros — reduziert die Leistung bei komplexen kognitiven Aufgaben um bis zu 66 Prozent. Natürliches Licht steigert Schlafqualität und Konzentration. Temperaturen außerhalb des optimalen Fensters erhöhen die Fehlerquote.
Ein gutes ABW-Konzept adressiert all das durch Zonierung: akustisch abgeschirmte Konzentrationsbereiche, natürlich belichtete Kollaborationsflächen, temperierte Rückzugsräume. Das ist der Grund, warum Anbieter wie Steelcase seit Jahrzehnten in eigene Verhaltensforschung investieren — und warum ihre Produkte und Raumkonzepte nicht zufällig so gestaltet sind, wie sie sind. Über Partner, die Produkte von Steelcase Hannover anbieten, ist dieses Wissen auch für regional ansässige Unternehmen zugänglich.
Was Activity Based Working in der Praxis messbar verändert
Unternehmen, die ABW sorgfältig eingeführt haben, berichten von messbaren Effekten in verschiedenen Bereichen:
- Flächeneffizienz: Gut konzipierte ABW-Büros benötigen typischerweise 20 bis 30 Prozent weniger Fläche pro Mitarbeitendem als traditionelle Büros — ohne Komforteinbußen, wenn die Zonierung stimmt.
- Spontankommunikation: Informelle Begegnungszonen fördern den ungeplanten Austausch, der in traditionellen Büros oft fehlt und in Remote-Arbeit vollständig verloren geht. Viele Innovationen entstehen in diesen Momenten.
- Mitarbeiterzufriedenheit: Studien zeigen erhöhte Zufriedenheitswerte in gut umgesetzten ABW-Umgebungen — allerdings nur, wenn ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind.
- Recruiting-Wirkung: Moderne, durchdachte Büroumgebungen sind ein wahrnehmbares Signal für Bewerber — besonders für jüngere Zielgruppen, die Autonomie und Gestaltungsspielraum erwarten.
- Führungsqualität: Führungskräfte, die im ABW-Umfeld arbeiten, berichten häufig von mehr informellem Kontakt zu Mitarbeitenden — und damit besseren Einblicken in Stimmungen, Herausforderungen und Potenziale.
ABW einführen: Was Führungskräfte wissen müssen
Die Entscheidung für Activity Based Working ist keine Möbelentscheidung. Sie ist eine strategische Führungsentscheidung — und sollte auch so behandelt werden. Wer ABW halbherzig einführt, riskiert das Worst-Case-Szenario: teure Umbaumaßnahmen, frustrierte Mitarbeitende und keine der versprochenen Vorteile.
Die vier kritischen Erfolgsfaktoren
Basierend auf Praxiserfahrungen und Forschungsergebnissen lassen sich vier Faktoren identifizieren, die über Erfolg oder Misserfolg von ABW-Projekten entscheiden:
Erstens: Einbindung vor Entscheidung. Mitarbeitende, die in die Konzeption einbezogen werden, akzeptieren das Ergebnis besser — und liefern wertvolle Informationen über tatsächliche Tätigkeitsprofile. Wer ABW top-down verordnet, erzeugt Widerstand.
Zweitens: Ausreichende Zonen-Vielfalt. Ein ABW-Konzept mit drei Zonentypen ist zu wenig. Gute Konzepte differenzieren mindestens zwischen: tiefer Konzentration, leichter Konzentration, Zweier-Gespräch, Kleingruppenarbeit, Großgruppen-Kollaboration, informellem Austausch und vertraulichen Gesprächen. Jede Zone braucht ausreichende Kapazität für die tatsächliche Nutzungsfrequenz.
Drittens: Technische Infrastruktur mitdenken. ABW ohne funktionierende Technik ist gescheitert, bevor es beginnt. Laptop für jeden, ausreichend Steckdosen, stabiles WLAN in allen Zonen, Buchungssysteme für geschlossene Räume — das ist kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Viertens: Führungskultur anpassen. Das ist der schwierigste Punkt — und der wichtigste. ABW erfordert ergebnisorientierte Führung statt Anwesenheitskontrolle. Wer weiterhin bewertet, ob jemand am Platz sitzt statt ob Ziele erreicht werden, hat ABW nicht verstanden.
Der richtige Zeitpunkt für ABW
Nicht jede Situation ist gleich gut für die ABW-Einführung geeignet. Besonders günstige Momente sind: ein geplanter Umzug oder Umbau, eine Phase des Wachstums, in der neue Flächen geplant werden, oder eine bewusste kulturelle Neuausrichtung des Unternehmens. Weniger geeignet: Phasen hoher Unsicherheit, Restrukturierungen oder Vertrauenskrisen. ABW ist kein Krisenkonzept — es setzt ein stabiles Fundament an gegenseitigem Vertrauen voraus, das es dann weiter stärkt.
Fazit
Activity Based Working ist eine der konsequentesten Antworten auf die Frage, wie Arbeit im 21. Jahrhundert organisiert sein soll. Es verlangt von Führungskräften, den Raum als Führungsinstrument zu verstehen — und Vertrauen nicht nur zu proklamieren, sondern in Beton, Akustik und Zonierung zu gießen.
Wer ABW als Möbelentscheidung behandelt, wird enttäuscht sein. Wer es als Kulturprogramm begreift, das mit dem richtigen physischen Rahmen unterstützt wird, wird feststellen: Räume formen Verhalten. Und Führungskräfte, die das verstehen, gestalten nicht nur Büros — sie gestalten, wie ihre Teams denken, kommunizieren und wachsen.
Der erste Schritt ist nicht ein Angebot von einem Möbelhaus. Der erste Schritt ist eine ehrliche Analyse: Welche Kultur wollen wir? Welche Tätigkeiten prägen unseren Alltag? Wo verlieren wir heute Energie, Konzentration oder Verbindung? Aus diesen Antworten entsteht ein Raumkonzept, das wirklich zu Ihrem Unternehmen passt — und das Activity Based Working zu dem macht, was es sein kann: ein Wettbewerbsvorteil, der von innen kommt.
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